Einen Hund verstehen ist gar nicht so schwierig, Hundeverhalten lässt sich ganz gut deuten und erklären. Es ist eigentlich, wie in einer Partnerschaft. Am Anfang kennt man sich noch nicht so gut, mag sich aber voll gerne. Mit der Zeit lernt man sich immer besser kennen, lernt das Stirnrunzeln und die vielen Zeichen des Partners zu deuten und reagiert dann entsprechend. In diesem Artikel lernst du deinen Hund verstehen!



Deinen Hund verstehen

Verstehen funktioniert über Beobachtung. Es kommt also darauf an, dass du deinen Hund beachtest, sein Verhalten beobachtest und seine Körpersprache liest. Glaube mir: er tut das Gleiche und beobachtet dich auch. Er spricht so gut Deutsch, wie du bellen kannst. Deshalb ist eure Körpersprache die wichtigste Form der Kommunikation.

Körpersprache beim Hund

Zur Körpersprache beim Hund gehören viele Aspekte, es ist nicht nur das Gesicht. Hunde kommunizieren mit allem was sie haben – von Kopf bis Fuß und Schwanz. Man könnte sagen, der komplette Hund kommuniziert. Er zeigt dir ständig, was er denkt. Er schickt permanent Botschaften an dich! Es ist deshalb unglaublich wichtig und interessant, die Körpersprache beim Hund zu beobachten. Achte besonders auf

  • seinen Gesichtsausdruck
  • das Ohrenspiel
  • wie er sein Fell aufstellt oder legt
  • die Körperhaltung beim Hund
  • und ganz wichtig: seine Rute!

 

1. Neutrales Hundeverhalten

Wenn dein Hund wach ist, dann liegt er die meiste Zeit in deiner Nähe und verhält sich neutral. Es ist eine Mischung aus freudig und neutral. Er ist entspannt, liegt gemütlich auf seinem Platz, hört zu und ist mit sich und seiner Welt zufrieden. Sein Gesichtsausdruck ist weich und entspannt, er beobachtet gemütlich und bewegt die Augen ganz langsam hin und her. Der Schwanz liegt dabei ruhig auf dem Boden.

Interessant ist das Gesicht. Das Maul deines Vierbeiners kann leicht geöffnet oder auch geschlossen sein. Manchmal sieht es aus, als würde er lächeln. Vielleicht tut er das auch, denn er fühlt sich gerade richtig wohl.

 

2. Freudiges Hundeverhalten

Neutral kennen wir jetzt. Und Freude, das ist pures Feuerwerk! Wenn sich dein Hund freut, dann ist das pure Emotion. Etwa, wenn du nach Hause kommst, dann ist der ganze Hund in Bewegung. Er läuft freudig hin und her, wedelt mit dem Schwanz, fokussiert dich mit seinen Augen an. Der Schwanz wedelt auf Hüfthöhe hin und her, so dass sein gesamter Hintern wackelt. Dabei ist die Schnautze leicht geöffnet, die Zunge hängt heraus und die Ohren bewegen sich leicht nach vorne und hinten. Alles ganz locker, alles ganz fröhlich und entspannt.

Freudiges Hundeverhalten ist sehr einfach zu erkennen. Du merkst sofort, dass er glücklich ist und dir das mitteilen möchte. Ein freudiger Hund wirkt ansteckend, die gute Laune überträgt sich sofort.

3. Ängstlicher Hund

Das Gegenteil vom freudigen Hund ist der ängstliche Hund. Hunde sind sehr sensibel und sie bekommen Angst, wenn du dich plötzlich anders verhältst oder wenn die Umgebung bedrohlich wirkt. Das Hundeverhalten ändert sich sofort, Angst ist eine sehr mächtige Emotion.

Wenn dein Hund Angst hat, dann ist ihm wichtig, die Gefahr zu überleben. Er ist 100% achtsam und sehr vorsichtig. Die Augen sind weit geöffnet und beobachten die Gefahrenquelle ganz genau. Sein Gesicht ist insgesammt angespannt. Manche Hunde gähnen auch wenn sie Angst haben, weil Angst Stress verursacht. Gähnen hilft gegen Stress (gilt übrigens auch für uns Menschen). Die Ohren liegen flach am Kopf, welcher etwas gesenkt und zur leicht zur Seite geneigt ist. Dabei liegen die Ohren flach am Kopf.

Achte auf seinen Schwanz. Er hält ihn still und lässt seinen Schwanz hängen oder klemmt ihn sogar zwischen die Beine. An dieser eindeutigen Position erkennst du sofort, wenn dein Hund Angst hat.

Hundeverhalten ängstlicher Hund

Hunde reagieren jedoch sehr unterschiedlich bei Angst. Manche Vierbeiner möchten bei Angst am liebsten im Erdboden versinken. Sie machen sich klein, ducken und verstecken sich. Manche rollen sich auf ihren Rücken, um die vollständige Unterwerfung zu signalisieren. Das hat dann nichts mit spielen zu tun sondern ist Angst. Kleine Hunde reagieren bei Angst offensiv. Sie bellen laut oder knurren und stellen dabei die Haare auf. Das Verhalten wird von Laien als “mutig” beschrieben, fällt aber ebenfalls in die Kategorie Angst. Der Hund hat in dieser Situation einen sehr hohen Stresslevel. Er braucht dich jetzt ganz besonders. Den Hund verstehen heißt deshalb auch auf kleine Anzeichen acht geben.

4. Erleichterung!

Sind Stress und Angst überwunden, die Gefahrenquelle ist gebannt. Es stellt sich deshalb schnell Erleichterung ein. Du erkennst sie meist ganz gut, weil sie in der Regel der Angst folgt. Die Anspannung lässt nach, dein Hund wird langsam wieder locker. Erleichterung beim Hund verhält sich ähnlich wie bei uns Menschen. Reflektiere, wie sich Erleichterung bei dir anfühlt und du wirst deinen Hund verstehen und fühlen, wie es ihm geht.

Der komplette Hund macht sich locker. Manche schütteln sich kurz oder gähnen, in jedem Fall lässt die Anspannung nach. Der Schwanz hängt locker herab, das Gesicht nimmt entspannte Züge an, die Atmung normalisiert sich.

5. Hundeverhalten – Unsicherer Hund

Unsicherheit beim Hund ist eine Emotion, die etwas schwieriger zu deuten ist. Unsicherheit wird oft mit Angst verwechselt, manchmal auch mit Freude. Es ist deshalb wichtig, dass Sie Ihren Hund verstehen und erkennen, was er Ihnen sagen möchte. Manchmal hilft bei Unsicherheit ein bisschen Ablenkung, kurze Streicheleinheiten und bestärkende Worte.

Die Augen sind weit aufgerissen, direkter Augenkontakt wird dabei aber vermieden. Die Ohren sind leicht nach hinten gerichtet und die Stirn ist sichtbar angespannt. Es wirkt ein wenig, als würde er nachdenken und grübeln. Sein Schwanz ist entweder ruhig oder wedelt konzentriert von links nach rechts. Vielleicht gähnt er nervös – es ist ebenfalls ein Anzeichen von Unsicherheit.

Wenn du merkst, dass dein Hund unsicher ist, dann bist du gefragt. Er braucht dich jetzt ganz besonders und erwartet die Hilfe auch von dir. Du bist der Chef und es ist jetzt deine Aufgabe, die Situation zu retten.

Manchmal ist es einfach eine Plastiktüte, die in der Ferne weht und deinen Hund verunsichert, manchmal sind es auch andere Hunde oder lautes Lachen von Menschen. Du kannst die Situation am besten einschätzen. Gib deinem Hund deshalb Sicherheit und Geborgenheit. Ob deine Signale angekommen sind, merkst du, wenn er in den Modus “Erleichterung” wechselt.

6. Hundeverhalten Wut

Wut gehört zu den Grundemotionen beim Menschen. Wut wurde in allen Kulturen weltweit festgestellt, die Fähigkeit wütend zu sein, ist Teil von uns Menschen. Auch Hunde sind mit dieser Emotion gesegnet worden. In Kombination mit Geschwindigkeit, Kraft und scharfen Zähnen kann ein wütender Hund deshalb überaus gefährlich sein.

Wenn du Wut beim Hund erkennen kannst, hilft dir das also nicht nur beim eigenen Hund. Die Kenntnis kann dir auch bei fremden Hunden sehr hilfreich sein. Wie erkennt man also einen wütenden Hund?

Ein wütender Hund ist in der Situation sehr selbsbewusst. Er macht sich deshalb so groß, mächtig und gefährlich wie nur möglich. Hierzu stellt er sein Fell auf, die Nackenhaare täuschen einen noch größeren Hund vor und seine Schnauze und Nase werfen Falten. Sein Maul ist geöffnet, er zeigt die Zähne, knurrt und fixiert seinen Blick. Er blinzelt nicht sondern blickt starr seinen Gegner an.

Dein Hund zeigt jetzt sehr deutlich, dass er wütend ist und die Angriffshaltung eingenommen hat. Die Muskeln sind angespannt, jederzeit bereit zum Angriff.

Wie verhalte ich mich bei einem wütenden Hund?

Diese Frage schieben wir hier einfach mal dazwischen, weil sie wichtig ist. In Zukunft wird es hierzu auch einen eigenen Beitrag geben. Wichtig ist, dass du in dieser Situation den Hund niemals provozierst, anstarrst oder gar anschreist.

Du musst jetzt den wütenden Hund verstehen und den Grund seiner Wut erkennen. Mache deshalb keine hastigen Bewegungen, sondern beruhige ihn durch ruhige und gelassene Handlung. Behebe die Wutursache und lasse ihn alleine, damit er sich wieder beruhigen kann. (Siehe 4. Erleichterung)

7. Aufmerksamer Hund

Hunde sind intelligent. Im Gegensatz zu uns Menschen beherrschen sie Multitasking perfekt. Hunde können sogar im Schlaf weit entfernte Geräusche lokalisieren. Wenn dein Hund wach ist, wechselt er oft zwischen neutralem und aufmerksamen Verhalten.

Das aufmerksame Verhalten war für den Hund als Jagdtier die Voraussetzung, um Beute zu fangen. Heute ist es ähnlich. Er ist aufmerksam und wartet auf den Augenblick, in dem er von dir einen Auftrag erhält, eine Belohnung oder ein Leckerli erhaschen kann.

Während dein Vierbeiner aufmerksam ist, hält er seinen Kopf normalerweise hoch, außer er nimmt gleich eine Fährte auf (dann wäre der Kopf gesenkt). Er ist ganz konzentriert, mit offenen Augen, die Ohren gespitzt um jedes Geräusch genau lokalisieren zu können. Sein Maul ist dabei entweder geschlossen oder leicht geöffnet. Insgesammt verhält er sich ruhig und konzentriert.

Aufmerksamkeit ist häufig auch mit Freude kombiniert, etwa dann, wenn du ihm etwas von seinem Lieblingsfutter bringst. Er ist dann mega aufmerksam und freut sich gleichzeitig tierisch auf das, was er gleich von dir bekommt.

Hundeverhalten und Gefühle

Ich hatte eingangs erwähnt, einen Hund verstehen ist wie in einer Partnerschaft. In jeder Beziehung sind Gefühle wichtig, deine Beziehung und deine Gefühle für deinen Hund beeinflussen deshalb maßgeblich das Hundeverhalten. Tiere sind sehr emotional und besonders Hunde bauen eine enge Beziehung zum Rudel auf. Du und deine Familie – ihr seid das Rudel. Ihr zeigt untereinander Gefühle und beeinflusst damit auch das Hundeverhalten. Mit Streicheleinheiten schenkt ihr dem Hund Geborgenheit, Futter zeigt die Rolle im Rudel aber auch Tonfall und deine Körpersprache übermitteln immer eine Botschaft. Es ist wichtig, dass du dir dessen bewusst bist, weil all diese Punkte das Hundeverhalten und somit auch den Erfolg der Hundeerziehung beeinflussen.